
Wirtschaftsminister Wolfgang Blank von Mecklenburg-Vorpommern besuchte am 3. April die Firmenzentrale von Webasto in Stockdorf. Anlass des Besuchs sind die angekündigten Stellenstreichungen des Unternehmens, die insgesamt 650 Stellen betreffen, auch in Neubrandenburg. Details zu den betroffenen Webasto-Standorten und dem Umfang der Stellenstreichungen sollen am kommenden Montag der Belegschaft mitgeteilt werden.
Am Standort Neubrandenburg arbeiten rund 700 Beschäftigte, die Standheizungen und Hochvoltheizungen für E- und Hybridfahrzeuge herstellen. Webasto hat weltweit insgesamt 15.300 Mitarbeiter, davon 3.700 in Deutschland. Der Stellenabbau wird als notwendig beschrieben, um den Herausforderungen der Marktentwicklung zu begegnen. Im Februar wurden in Deutschland 6,4 Prozent weniger Autos zugelassen als im Vorjahresmonat.
Betroffene Bereiche und soziale Absicherung
Der Stellenabbau wird vor allem in der Verwaltung, im Entwicklungsbereich sowie teilweise in der Produktion vollzogen. Ein Sozialplan und eine Transfergesellschaft wurden mit den Arbeitnehmervertretern vereinbart, um den Abbau sozialverträglich zu gestalten. Diese Transfergesellschaft bietet den entlassenen Mitarbeitern Unterstützung bei der Jobsuche für maximal zwölf Monate.
IG-Metall-Sekretär Jan Kuhnert äußerte Bedenken über die Einsparungen in der Entwicklung, da Forschung und Entwicklung in der aktuellen Zeit von entscheidender Bedeutung sind. Die Zukunft der entlassenen Mitarbeiter bleibt ungewiss, auch wenn es Unternehmen in der Region gibt, die Personal suchen. Viele dieser Unternehmen bieten jedoch keine attraktiven Tarifbedingungen. Webasto zahlt unter Flächentarif, allerdings besser als manche Wettbewerber.
Marktentwicklung und Transformation der Automobilindustrie
Die aktuellen Stellenstreichungen bei Webasto sind nicht isoliert, sondern Teil eines größeren Trends in der Automobilindustrie. Laut einem Bericht von Deutschlandfunk stehen viele Unternehmen, einschließlich Daimler, vor einschneidenden Veränderungen. Insbesondere die Umstellung von Verbrennungsmotoren auf alternative Antriebsformen wie Elektromotoren birgt Risiken und Chancen für Tausende von Arbeitsplätzen.
In Baden-Württemberg, dort wo 200.000 Menschen in der Automobilindustrie beschäftigt sind, wird ein Wegfall von bis zu 110.000 Arbeitsplätzen bundesweit prognostiziert. Zahlreiche Unternehmen, darunter Daimler, haben bereits Sparprogramme und Personalabbaumaßnahmen initiiert. Dies könnte ähnliche Folgen haben wie im Ruhrgebiet oder in Detroit, wo der Strukturwandel dramatische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hatte.
Die Diskussion über die Zukunft der Elektromobilität und die Rolle von Verbrennungsmotoren bleibt angespannt. Der Umbau des Volkswagen-Werks in Zwickau zur Produktion von E-Autos ist im Gange, während deutsche Autobauer vor Strafzahlungen von 1,8 Milliarden Euro stehen, sollten sie nicht mehr klimafreundliche Autos verkaufen. Um die Transformation der Branche zu gestalten, fordern Experten umfassende Programme zur Unterstützung von Arbeitsplätzen und Weiterbildung.
Insgesamt zeigt sich, dass der Stellenabbau bei Webasto Teil eines vielschichtigen Prozesses ist, der nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch die gesamte Branche nachhaltig beeinflussen wird.