
Am 2. April 2025 hat die Hochschule für Musik und Theater Rostock (HMT) ein neues Studienprogramm ins Leben gerufen, um dem zunehmenden Lehrkräftemangel im Norden Deutschlands entgegenzuwirken. Die Hochschule bietet ein einjähriges Masterprogramm an, das den Abschluss „Master of Arts“ vergibt. Dieses innovative Programm richtet sich an Absolventen künstlerischer sowie instrumental- und theaterpädagogischer Studiengänge, die bereits im Beruf stehen. Es ermöglicht einen berufsbegleitenden Seiteneinstieg ins Lehramt, was insbesondere in einer Zeit, in der der Bedarf an qualifizierten Lehrkräften stetig steigt, von Bedeutung ist. Laut NDR haben in diesem Jahr 37 Studierende das Programm begonnen, was etwa doppelt so viele sind wie in den ersten beiden Jahrgängen.
Der Lehrkräftemangel in Deutschland ist ein Problem, das seit Jahren wächst. Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge konnten 2023 etwa 50% der Schulen mindestens eine Lehrstelle nicht besetzen. In vielen Fällen kam es zu Unterrichtsausfällen, Überstunden für Lehrkräfte, steigenden Klassenstärken und reduzierten Unterrichtsstunden. Die fortdauernde Situation ist nicht nur eine Belastung für die Schulen, sondern gefährdet auch die Bildungsqualität. Dies wurde auch von der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) als dramatisch eingestuft. An zwei von drei Schulen unterrichten Personen ohne reguläre Lehramtsausbildung, was die Unterrichtsversorgung weiter beeinträchtigt. bpb zeigt auf, dass besonders Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schüler:innen unter diesem Mangel leiden.
Internationale Studierende und landesweite Bedeutung
Das neue Programm in Rostock hat auch international an Bedeutung gewonnen. Studierende kommen unter anderem aus Chile, Kasachstan, Russland und Kolumbien. Dies zeigt, dass die Hochschule für Musik und Theater Rostock nicht nur ein regionales, sondern auch ein überregionales Interesse an der Ausbildung von Lehrkräften fördert. Mit diesem Pilotprojekt könnte die Hochschule als Vorbild für ähnliche Weiterbildungsmasterstudiengänge in ganz Deutschland dienen und somit einen Beitrag zur Bekämpfung des Lehrkräftemangels leisten.
Die Prognosen zum Lehrkräftebedarf in Deutschland versprechen keine schnelle Besserung. Bis 2035 wird ein jährlicher Einstellungsbedarf von etwa 463.000 neuen Lehrkräften erwartet, während das Neuangebot auf nur etwa 395.000 Personen geschätzt wird. Dies könnte zu einem Mangel von etwa 68.000 Lehrkräften führen. Die Abbrecherquote im Lehramtsstudium hat ebenfalls Einfluss auf die zukünftige Lehrersituation. Um dem Lehrkräftemangel wirksam zu begegnen, sind langfristige Verbesserungen im Lehramtsstudium erforderlich. Kurz- bis mittelfristig werden jedoch weiterhin Notmaßnahmen notwendig sein.
Zusammenfassend zeigt die Einführung des neuen Masterprogramms an der Hochschule für Musik und Theater Rostock, wie wichtig innovative Ansätze sind, um den Herausforderungen des Lehrkräftemangels zu begegnen. Die Bildungspolitik steht vor der dringenden Aufgabe, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ für eine ausreichende und gut ausgebildete Lehrerschaft zu sorgen.