Friedhofszauber in Anklam: Carola Meyers ganz besonderer Arbeitsplatz
Erfahren Sie, wie Carola Meyer auf dem Alten Friedhof in Anklam Grabpflege betreibt und sich den Herausforderungen der Branche stellt.

Friedhofszauber in Anklam: Carola Meyers ganz besonderer Arbeitsplatz
Der Alte Friedhof in Anklam ist am Totensonntag ein beliebter Ort für viele Besucher, die die Grabstätten ihrer Liebsten vorbereiten. Carola Meyer, die seit 2008 als Friedhofsgärtnerin selbstständig arbeitet, ist an diesem Tag besonders gefordert. „Es ist der schönste Arbeitsplatz der Stadt“, schwärmt sie. Ihre Begeisterung für die Arbeit auf dem Friedhof, die sie mit 26 Jahren begann, kommt nicht von ungefähr, denn der Friedhof bietet ihr nicht nur Ruhe und frische Luft, sondern auch die Möglichkeit, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. Diese persönliche Verbindung zu den Menschen und ihren Geschichten schätzt sie sehr.
Am Totensonntag dekoriert Meyer die Gräber ihrer Kunden mit Tannengrün und Gestecken. Die körperliche Arbeit, die insbesondere im Sommer und Herbst mehr Einsatz an Abwechslung erfordert, ist für sie eine angenehme Herausforderung. Ihre Dienstleistungen sind besonders gefragt bei Menschen, die weit weg wohnen oder aus gesundheitlichen Gründen die Pflege der Gräber nicht selbst übernehmen können. Trotzdem, gibt sie zu, „reich werde ich nicht, aber ich bin zufrieden, wenn ich helfen kann.“
Änderungen in der Bestattungskultur
Die Bestattungskultur in Deutschland hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Meyer muss zunehmend feststellen, dass die traditionell geprägte Friedhofsnutzung unter dem Einfluss alternativer Bestattungsformen leidet. Laut einer Umfrage der Verbraucherinitiative „Aeternitas“ aus dem Jahr 2022 wünschen sich 25% der Deutschen eine Bestattung im Bestattungswald. Hier werden biologisch abbaubare Urnen im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt, während die Erinnerungen mit Schildern in der Nähe festgehalten werden. Ebenso zeigt sich ein wachsendes Interesse an Feuerbestattungen, die von Bund Deutscher Bestatter bestätigt werden und den Vorteil bieten, mehr Zeit für Entscheidungen und vielfältige Beisetzungsmöglichkeiten zu haben.
Doch auch die Versicherungs- und Kostenfrage spielt eine Rolle, besonders da die Liegezeit von 25 auf 20 Jahre verkürzt wurde. Zunehmend entscheiden sich Menschen auch für anonymisierte Bestattungen, um Angehörige nicht mit der Grabpflege zu belasten.
Die Zukunft der Friedhöfe
In Anklam, wie auch andernorts, steht die Zukunft der Friedhöfe auf der Agenda. In Süßen wird beispielsweise ein „Friedhof der Zukunft“ als Experimentierfeld für neue Gestaltungsansätze genutzt, mit dem Ziel, diese Orte lebendiger und einladender zu gestalten – etwa durch Spielplätze, Sinnesgärten und attraktive Begegnungsstätten. Die Idee dahinter: Friedhöfe sollen nicht nur Orte der Trauer, sondern auch der Begegnung und des Gedenkens sein.
Trotz der Herausforderungen und der veränderten Rahmenbedingungen ist Carola Meyer optimistisch, dass sie bis zur Rente in ihrem geliebten Beruf arbeiten kann. Die Verbindung zu den Menschen, die für sie zu einem Teil des Lebens wird, hält sie motiviert. „Ich fühle mich mit dem Friedhof verbunden“, sagt sie und setzt damit ein Zeichen für die wichtige Rolle, die Friedhofsgärtner im Kreis der Erinnerungen und der Trauerbewältigung spielen.