Ostsee-Rettung in Gefahr: Höchster Wasserstand seit 100 Jahren!

Erfahren Sie, warum der Strand in Binz und auf Usedom gefährdet ist: Höchster Wasserstand der Ostsee seit über 100 Jahren.

Erfahren Sie, warum der Strand in Binz und auf Usedom gefährdet ist: Höchster Wasserstand der Ostsee seit über 100 Jahren.
Erfahren Sie, warum der Strand in Binz und auf Usedom gefährdet ist: Höchster Wasserstand der Ostsee seit über 100 Jahren.

Ostsee-Rettung in Gefahr: Höchster Wasserstand seit 100 Jahren!

Der Sommer ist zwar in vollem Gange, doch die Ostsee zeigt sich von ihrer ungewohnt hohen Seite. Wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) berichtet, steht das Wasser aktuell auf einem außergewöhnlichen Niveau. An der Pegelstation Landsort, einer der zentralen Messstationen der Region, wurde im Juni der höchste Wasserstand seit dem Beginn des Jahrhunderts verzeichnet. Die Kombination aus anhaltenden Westwinden und Tiefdruckgebieten, die im Mai und Juni vorherrschten, hat zu dieser starken „Vorfüllung“ des Ostseebeckens geführt. „Da liegt was an“, könnte man sagen, denn die Strände auf Usedom und auch in Binz auf Rügen sind mittlerweile weitgehend verschollen. Die Treppen von der Seebrücke enden schlichtweg im Wasser.

Ein Blick in die Zahlen zeigt eine interessante Entwicklung: Normalerweise erwarten wir in Herbst und Winter Hochwasser, während der Frühling und Frühsommer für niedrigere Pegelstände bekannt sind. Dass die Ostsee nun wie eine Badewanne wirkt, ist von den Experten bisher wenig dokumentiert worden. Die westlichen Winde drücken das Wasser in den Ostsee-Raum, während der Abfluss in Richtung Kattegat blockiert ist. So entsteht eine Situation, in der moderate Windverhältnisse überraschend hohe Wasserstände generieren können, was das BSH in seinen Analysen festhält.

Hydrologische Berichte und Temperaturmessungen

An der deutschen Ostseeküste werden monatliche Berichte erstellt, die über die hydrologische Situation informieren. Diese Berichte beinhalten nicht nur Wasserstände, sondern auch die Wassertemperatur an verschiedenen Tiefen. Sie dokumentieren Extremwerte wie das höchste Hochwasser (HHW) und das niedrigste Niedrigwasser (NNW). Besondere Sturmflutereignisse – wie die verheerende Sturmflut von 1872 – werden ebenfalls behandelt. Ein Besuch auf der Webseite der BSH bietet hier spannende Einblicke: Wasserstand Ostsee.

Besonders erschreckend ist jedoch die Feststellung des Umweltbundesamtes: Die Ostsee leidet weiterhin unter anthropogenen Belastungen und ist fast flächendeckend in keinem guten Zustand. Der kürzlich veröffentlichte Zustandsbericht von HELCOM zeigt auf, dass trotz einer Verringerung der Nährstoffeinträge 94 % der Ostsee eutrophiert ist. Hochtoxische Stoffe und Metalle überschreiten weiterhin die Bewertungsschwellen. Die Eutrophierung hat weitreichende Auswirkungen auf die Lebensräume, die Artenvielfalt leidet erheblich. Kabeljaubestände haben sich bis heute nicht erholt, und auch die Heringe zeigen einen alarmierenden Rückgang – stark beeinflusst durch Überfischung und Sauerstoffmangel, wie im Bericht zusammengefasst wird. Hierzu mehr Informationen auf der Seite des Umweltbundesamtes: Zustandsbericht Ostsee.

Die Zukunft der Ostsee

Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in der Ostsee spürbar, wenngleich die Versauerung langsamer voranschreitet als in anderen Meeresregionen. Dennoch wird prognostiziert, dass es Jahrzehnte dauern wird, bis ein guter Zustand erreicht werden kann. Der HELCOM-Aktionsplan von 2021 soll in den kommenden Jahren als Handlungsrahmen dienen, um die Situation zu verbessern.

Die hohen Wasserstände der Ostsee und die damit verbundenen Herausforderungen sind ein Hinweis darauf, dass sowohl Natur als auch Mensch gefordert sind, eine nachhaltige Lösung für diese wertvolle Region zu finden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt und welche Maßnahmen wirken können, um diesen einzigartigen Lebensraum zu schützen.