Theaterabend zum 100. Geburtstag: Inge Müllers Kampf um Identität!
Erleben Sie am 22.07.2025 einen Theaterabend über das Leben und Werk der Lyrikerin Inge Müller anlässlich ihres 100. Geburtstags.

Theaterabend zum 100. Geburtstag: Inge Müllers Kampf um Identität!
Am 22. Juli 2025 wird in Mecklenburg-Vorpommern ein besonderes Theaterereignis stattfinden, das dem Leben und Werk der außergewöhnlichen DDR-Lyrikerin Inge Müller gewidmet ist. Der Theaterabend folgt den einfühlsamen und tiefgründigen Texten dieser bemerkenswerten Autorin, die unter anderem als Ehefrau des bekannten Dramatikers Heiner Müller bekannt wurde. Müller, die 1925 als Ingeborg Meyer geboren wurde, hinterließ ein literarisches Erbe, das erstmals posthum die Aufmerksamkeit bekam, die es verdient. Im Rahmen dieser Aufführung steht vor allem ihr eindrucksvolles Gedicht „Unterm Schutt II“ im Mittelpunkt, das zum Nachdenken über die Themen Identität und Überleben durch Dichtung anregt. Auf-nach-mv.de berichtet, dass diese Werke der Künstlerin untrennbar mit ihrem Leben verbunden sind, das sie in drei verschiedenen gesellschaftlichen Systemen erlebte: der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus und der frühen DDR.
Inge Müller musste viel durchmachen, nicht zuletzt das traumatische Erlebnis, im April 1945 nach einem Luftangriff auf Berlin drei Tage lang verschüttet zu sein. Diese Erfahrungen prägten ihr Schaffen als Dichterin und vermittelten ein Gefühl von Dringlichkeit und Intensität in ihren Texten. Ihre Gedichte behandeln existenzielle Fragen und den ständigen Kampf um Identität, was auch im Gedicht „Rendezvous 44“ spürbar wird, in dem sie Verlust und das Streben nach Verbindung reflektiert. Anlässlich ihres 100. Geburtstags gab es eine Reihe von Veranstaltungen, die an ihr Erbe erinnerten und ihre Texte neu in den Fokus rückten. So wurden auch Auszüge aus ihrem Band „Irgendwo; noch einmal möcht ich sehn. Lyrik, Prosa, Tagebücher“ veröffentlicht, herausgegeben von Ines Geipel.
Ein Abend voller Reflexion
Der bevorstehende Theaterabend bietet nicht nur eine künstlerische Darbietung, sondern auch einen Einstieg in tiefgehende Diskussionen über den Stand der Deutschen Einheit, 36 Jahre nach dem Fall der Mauer. Ines Geipel hebt hervor, wie die Generation von deutschsprachigen Schriftstellern, zu der auch Inge Müller gehört, von den Schrecken des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs geprägt wurde. Diese historischen Zwänge spiegeln sich in vielen ihrer Gedichte wider, die oft als ein „stummes Angstaufsagen“ beschrieben werden. Lyrikzeitung.com zitiert Herta Müller, die die Spannungen zwischen Naivität und Frechheit in Müllers Werk betont und die Relevanz ihrer Texte für heutige Generationen unterstreicht.
In Eisenhüttenstadt lebte Müller eine Zeit lang und hinterließ dort Spuren in der Literaturgeschichte. Ihr Gedicht „Masken“ fängt die Suche nach Identität und Authentizität ein: „Ich weigere mich, Masken zu tragen / Mich suche ich / Nackt und veränderlich.“ Diese Worte bieten einen tiefen Einblick in ihr seelisches Innenleben und ihre Abneigung gegen soziale Konventionen.
Ein Blick in die Vergangenheit
Wolf Biermann sowie andere Zeitgenossen stehen dem Werk Inge Müllers anerkennend gegenüber und zeigen, wie wichtig sie für die literarische Szene war. Trotz der Herausforderungen, die ihr Leben prägten, gelang es ihr, durch ihre Dichtung eine universelle Sprache zu finden, die bis heute nachhallt. Ihr Kampf um Worte und Identität spiegelt die Schicksale vieler Frauen wider, die in Krisenzeiten ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Es wird spannend sein zu erleben, wie das Theaterstück diese Themen künstlerisch umsetzt und die Zuschauer dazu anregt, über ihre eigene Identität und ihre Rolle in einer sich ständig verändernden Welt nachzudenken.
In neuestem Licht erstrahlt die Lebensgeschichte von Inge Müller, und der Theaterabend verspricht ein emotionales und reflektierendes Erlebnis zu werden. In einer Zeit, in der Fragen zu gesellschaftlicher Einheit und persönlicher Identität wieder verstärkt im Raum stehen, ist es wichtig, die Stimmen von Schriftstellern wie Inge Müller nicht zu vergessen und ihre Werke weiterzudenken.