Apotheken in MV schlagen Alarm: Medikamente dringend gefährdet!
Engpass bei Arzneimitteln in Demmin: Apotheker warnen vor knappen Medikamenten und wachsenden Herausforderungen in MV.

Apotheken in MV schlagen Alarm: Medikamente dringend gefährdet!
Apotheken in Mecklenburg-Vorpommern (MV) stehen vor großen Herausforderungen. Laut dem Uckermark Kurier gibt es in MV 22,6 Apotheken pro 100.000 Einwohner, was leicht über dem Bundesdurchschnitt von 21 liegt. Trotzdem sind engpässe bei der Arzneimittelversorgung ein beträchtliches Problem. Viele Medikamente, darunter lebenswichtige Asthma-Sprays wie Salbutamol und verschiedene Insuline, sind häufig nicht lieferbar. Der Druck auf die Apotheker wächst, da über 500 Lieferengpässe derzeit gemeldet sind, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) feststellt.
Ein besorgniserregender Trend zeigt, dass renommierte Arzneimittelhersteller sich zunehmend vom deutschen Markt zurückziehen. Dies hat fatale Folgen, denn Apotheker verbringen nahezu jeden Tag Stunden damit, Medikamente zu beschaffen und sich mit Großhändlern und Ärzten auszutauschen. In dem kleinen Städtchen Demmin, wo es früher acht Apotheken gab, sind nur noch fünf übrig. Ein stetiger Rückgang, der die Situation vor Ort weiter verschärft.
Produktionsabhängigkeit und globale Lieferketten
Die Abhängigkeit von Produktionsstätten in Ländern wie China und Indien wird immer deutlicher. Generika, die eine essenzielle Rolle in der Arzneimittelversorgung spielen, werden zu über 50% von Herstellern in Asien produziert. Diese Länder haben durch die Corona-Lockdowns und andere Störungen fragiler gewordene Lieferketten hervorgebracht. Laut ZDF Heute stehen mittlerweile rund 550 Arzneimittel in Deutschland nicht zur Verfügung, darunter auch lebensrettende Antibiotika für Kinder und Erwachsene.
Trotz der Bemühungen, die Produktion nach Deutschland und Europa zu verlagern, gilt dies als naiv, da die niedrigen Preise in Asien große Wettbewerbsnachteile schaffen. Die Marktmechanismen werden durch Rabattverträge der Krankenkassen kompliziert, die zur Reduktion der Herstelleranzahl führen und häufig auch Risikofaktoren für Engpässe erhöhen.
Die Rolle der Apotheker
Die Situation wird nicht einfacher, denn Apotheker in MV sind regelrecht überlastet mit zusätzlichen Aufgaben. Falschverordnungen fallen ihnen häufig auf, was in vielen Fällen lebensrettend sein kann. Ironischerweise erhalten sie seit 20 Jahren die gleichen Honorare, während ihre Gehälter nicht mit den steigenden Lebenshaltungskosten Schritt halten können. Zusätzlich gibt es 52 Stellenangebote für Apotheker und 43 für pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) in der Region, was ein Zeichen für den Fachkräftemangel ist. Die Zahl der Studierenden im Pharmazie-Studium sinkt zusehends, was auf ein nachlassendes Interesse an diesem Berufsfeld hinweist.
Politische Initiativen und Ausblick
Das Problem der Lieferengpässe hat auch die politische Ebene erreicht. Der Critical Medicines Act (CMA) soll die Versorgung mit kritischen Arzneimitteln sicherstellen und die geopolitischen Abhängigkeiten in der Arzneimittelproduktion verringern. Die Deutsche Sozialversicherung (DSV) unterstützt diesen Ansatz und fordert flexible Vergabeverfahren sowie mehr Transparenz in der Arzneimittelversorgung.
Die aktuelle Situation zeigt, dass der medizinische Sektor wie ein Drahtseilakt ist – einerseits müssen Patienten versorgt werden, andererseits gibt es massive Herausforderungen in der Arzneimittelwirtschaft. Während Apotheker auf der Suche nach Lösungen sind, bleibt zu hoffen, dass die politischen Maßnahmen bald in greifbare Erfolge umgesetzt werden. Die Gesundheitsversorgung muss schließlich gewährleistet sein, damit in Mecklenburg-Vorpommern niemand auf lebensnotwendige Medikamente verzichten muss, nur weil sie nicht verfügbar sind.
Detaillierte Informationen finden Sie bei Uckermark Kurier, ZDF Heute und PM Report.