Nach 60 Jahren: Ein Anklamer sucht seine verlorene Heimat

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Rainer Schumann, Anklamer der seit 60 Jahren woanders lebt, erzählt von seiner Heimatstadt und seiner Bindung zu ihr.

Rainer Schumann, Anklamer der seit 60 Jahren woanders lebt, erzählt von seiner Heimatstadt und seiner Bindung zu ihr.
Rainer Schumann, Anklamer der seit 60 Jahren woanders lebt, erzählt von seiner Heimatstadt und seiner Bindung zu ihr.

Nach 60 Jahren: Ein Anklamer sucht seine verlorene Heimat

Rainer Schumann, ein gebürtiger Anklamer, lebt seit über 60 Jahren ohne seine Heimatstadt, dennoch verspürt er kein Bedauern über diese Trennung. Geboren 1952 in Anklam, erlebte er im Kindesalter eine zerrissene Familie. Mit nur einem Jahr kam er in eine Pflegefamilie, und bis zu seinem elften Lebensjahr verlief sein Leben recht normal. Die Scheidung seiner Pflegeeltern brachte jedoch erhebliche Veränderungen. Plötzlich war er auf sich allein gestellt, sein Stiefbruder trat seinen Militärdienst in Rostock an, während Rainer in Anklam zurückblieb. Schwierigkeiten in der Schule folgten und führten ihn schließlich in ein Spezialkinderheim.

Nach einer Zeit in einem Kinderheim musste er zu seiner leiblichen Mutter nach Georgenthal ziehen, ein Umstand, den er als „Horror“ beschreibt. Sie kontrollierte sein Leben stark, was ihm viele Freiheiten nahm. Nach seiner Lehre zum Schlosser wollte Rainer eigentlich in Georgenthal bleiben, doch seine Mutter hatte andere Pläne. Mit 18 Jahren führte ihn sein Weg nach Annahütte in Brandenburg, wo er in einem Glaswerk arbeitete und seine erste Frau kennenlernte. Ihre Hochzeitsreise im Jahr 1972 führte sie nach Anklam, wo er ihr die Stadt zeigte, die ihn auch nach der Wende wieder regelmäßig anzieht. Jedes Jahr macht er mit seiner Frau einen Halt in Anklam auf dem Weg zur Ostseeinsel Usedom, wo sie traditionell am alten Silo frühstücken und durch die Innenstadt schlendern.

Ein Abschied mit einem lachenden und weinenden Auge

In der gleichen Region dürfen wir jedoch auch von einem anderen bemerkenswerten Konflikt im Bereich der Pflegefamilien berichten. Karin Schumann, die mit ihrem Mann seit 2011 als Pflegeeltern tätig ist, ist gezwungen, Abschied von den Kindern zu nehmen, die sie viele Jahre betreut haben. Vor 12 Jahren erhielt die Familie einen Anruf vom Jugendamt, das fragte, ob sie zwei einjährige Zwillinge aufnehmen könnten. Diese erste Anfrage führte dazu, dass das Paar insgesamt 32 Kinder aus dem Landkreis Vorpommern-Greifswald betreute, und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit sowie an Wochenenden und Feiertagen.

Inspiriert von einem Bericht über eine Frau, die Kinder aus einer Babyklappe betreute, hatte Karin den Kontakt zum Jugendamt hergestellt. Leider müssen die Schumanns nun aus gesundheitlichen Gründen aus ihrer Rolle als Pflegefamilie ausscheiden. Landrat Michael Sack bedankte sich aufrichtig bei ihnen für die liebevolle Aufnahme der Kinder. Ihre ersten Pflegesöhne, die von Anfang an bei ihnen waren, wurden kürzlich bereits in neue Familien vermittelt, und für den jüngeren Pflegesohn gibt es bereits eine passende Pflegefamilie. Die Schumanns hoffen, für den älteren Maximilian, der besondere Handicaps hat, ebenfalls bald eine liebevolle Familie zu finden. Interessierte können sich dabei direkt bei Birgit Müller in der Kreisverwaltung melden.

Ein Blick auf die Herausforderungen im Pflegebereich

Das Schicksal von Rainer und der Familie Schumann spiegelt die Komplexität des Lebens in Pflege- und Adoptivfamilien wider. Laut dem Deutschen Jugendinstitut gibt es zahlreiche Forschungsarbeiten, die sich mit der Beziehung zwischen Pflegekindern und ihren Pflegeeltern auseinandersetzen, um diese speziellen Familienverhältnisse besser zu verstehen und zu verbessern. Studien zeigen, dass die Bindung und psychosoziale Anpassung in Pflegefamilien entscheidend für das Wohlbefinden der Kinder ist und dass es Unterstützungssysteme benötigt, um diesen Familien zu helfen, die Herausforderungen, die sich ihnen stellen, erfolgreich zu meistern.

Ob in Anklam oder anderswo, es ist wichtig, das Bewusstsein für die Geschichten und Bedürfnisse von Pflegekindern und ihren Familien zu schärfen. Nur so können wir dazu beitragen, dass Kinder in der Übergangszeit eine liebevolle und unterstützende Umgebung bekommen.