Jüdischer Student verklagt FU Berlin: Antisemitismus auf dem Campus?

Jüdischer Student verklagt FU Berlin: Antisemitismus auf dem Campus?
Ein jüngstes Urteil des Amtsgerichts Tiergarten in Berlin wirft ein grelles Licht auf die Problematik der antisemitischen Diskriminierung an Hochschulen. Ein 32-jähriger Mann wurde verurteilt, weil er den jüdischen Studenten Lahav Shapira während einer Protestaktion von einem Hörsaal der Freien Universität Berlin (FU) weggedrängt hatte. Die Tat wurde als Nötigung (§ 240 StGB) gewertet, für die der Angeklagte eine Geldstrafe von 450 Euro erhalten hat, wie lto.de berichtet.
Die Richterin Leonie Richter stellte unmissverständlich fest, dass die körperliche Auseinandersetzung keine Rechtfertigung hatte. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft zudem Vorwürfe der Körperverletzung und antisemitischen Beleidigung erhoben, doch diese konnten nicht nachgewiesen werden. „Sich als Ordner in den Weg zu stellen“, wie der Angeklagte behauptete, wurde vom Gericht nicht als plausibles Argument akzeptiert.
Der Fall Shapira und seine Folgen
Im Mittelpunkt steht der Fall von Lahav Shapira, der nicht nur in diesem aktuellen Verfahren klagt, sondern auch gegen die FU Berlin vorgeht. Er wirft der Hochschule vor, nicht ausreichend gegen antisemitische Diskriminierung vorzugehen. Am 15. Juli 2025 fand eine Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht statt, die gescheitert ist, da keine Entscheidung getroffen wurde. Shapira ist der Meinung, dass die FU gegen Paragraph 5b des Berliner Hochschulgesetzes verstößt, der Hochschulen verpflichtet, Diskriminierungen zu verhindern.
Die Geschehnisse haben auch eine besorgniserregende Wendung genommen: Im Februar 2024 erlitt Shapira bei einem Angriff, der aus einem Streit über den Nahostkonflikt resultierte, schwere Verletzungen. Er erlitt unter anderem einen Nasen- und Jochbeinbruch sowie ein Schädelhirntrauma. Sein Angreifer, ein ehemaliger Mitstudent, wurde im April 2024 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt; Antisemitismus wurde als Motiv festgestellt. Dies zeigt, wie gefährlich die Situation für jüdische Studierende an Hochschulen geworden ist.
Antisemitismus an deutschen Hochschulen
Die Problematik des Antisemitismus an Hochschulen ist nicht neu, jedoch hat sie seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 an Brisanz gewonnen. Laut einer Studie des Bundesforschungsministeriums haben 8% der Studierenden Erfahrungen mit israelbezogenem Antisemitismus gemacht. Dies entspricht etwa dem Niveau der Gesamtbevölkerung, während allgemeine antisemitische Einstellungen unter Studierenden um 10% geringer sind zdf.de.
Ein Drittel der jüdischen Studierenden haben Diskriminierung erlebt, und mehr als die Hälfte hat antisemitische Vorfälle an ihrer Hochschule beobachtet. Es gibt auf verschiedenen Universitäten immer wieder Störungen von Vorlesungen und Übergriffe durch pro-palästinensische Aktivisten. Die Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger fordert Hochschulen dazu auf, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und die rechtlichen Rahmenbedingungen zu überprüfen. Die Situation ist ernst, und etwas muss geschehen, damit sich jüdische Studierende sicher fühlen können.
Die FU Berlin hat kürzlich eine Antidiskriminierungssatzung erlassen, die im Oktober 2023 in Kraft trat, und betont, dass sie an einem Konzept arbeitet, das Ansprechpersonen und psychologische Unterstützung umfasst. Doch werden diese Maßnahmen der Ernsthaftigkeit der Situation gerecht? Kritik bleibt, denn die Universität muss beweisen, dass sie entschlossen gegen antisemitische Diskriminierung vorgeht und nicht den Extremisten freien Raum lässt.
Während der Diskurs über den Nahostkonflikt an Universitäten leidenschaftlich und oft konfliktbeladen führt, ist klar, dass etwas gegen den anscheinend wachsenden Antisemitismus unternommen werden muss. Die kommenden Entscheidungen werden entscheidend sein, um zu klären, wie Hochschulen künftig mit Diskriminierung und Gewalt umgehen.