Rentner im Job: Arbeitsaufnahme als Antwort auf Altersarmut?

Rentner im Job: Arbeitsaufnahme als Antwort auf Altersarmut?
Die Frage, ob Rentner in Deutschland länger arbeiten sollten, wird derzeit heiß diskutiert. Auslöser ist eine Debatte, die von der CDU angefacht wurde. Bundeskanzler Friedrich Merz und Generalsekretär Carsten Linnemann fordern eine Erhöhung der Lebensarbeitszeit im Angesicht des demografischen Wandels und der steigenden Lebenserwartung. Immer mehr Stimmen aus der Politik und Gesellschaft setzen sich mit dem Thema auseinander und bringen verschiedene Perspektiven ins Spiel.
Ein Beispiel dafür ist die 90-jährige Resi Wegner, die nach einem erfüllten Berufsleben als Krankenschwester auch im Rentenalter als Altenpflegerin tätig ist. Sie empfindet ihre Rente als ausreichend und lebt sparsam. Ganz anders sieht die Lage bei Wolfgang Kolberg (73) aus, der mit 63 Jahren wegen Krebs in den Ruhestand ging und nun mit einer Rente von 1.600 Euro zurechtkommen muss, während seine Frau lediglich 600 Euro erhält. Nach einem Verlust von 10.000 Euro durch Selbstständigkeit macht er sich Sorgen um zukünftige Reisen und sieht die Forderungen nach mehr Arbeit für Rentner eher als Druckmittel.
Steigende Erwerbstätigenquote
Statistiken zeigen, dass die Erwerbstätigenquote unter den 65- bis 69-Jährigen in den letzten Jahren gestiegen ist. Von 13 % im Jahr 2013 erhöhte sie sich auf 21 % im Jahr 2023. Dies ist nicht zuletzt auf die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre zurückzuführen. So erlangen immer mehr ältere Menschen, insbesondere Männer, wieder einen Platz im Arbeitsleben.
Die Erwerbsbeteiligung der 60- bis 64-Jährigen hat sich von 53 % im Jahr 2014 auf 67 % im Jahr 2024 erhöht. Bei den 65- bis 69-Jährigen liegt der Anteil der Erwerbstätigen mittlerweile bei 21 %, was deutlich macht, dass viele ältere Menschen ihren Lebensunterhalt auch nach dem regulären Renteneintritt aktiv verdienen wollen laut Destatis.
Finanzielle Realität im Alter
Nicht nur lange Beschäftigung, sondern auch finanzielle Faktoren treiben viele Senioren zurück ins Arbeitsleben. Rund 41 % der arbeitenden Personen ab 65 leben überwiegend von ihrem Arbeits- einkommen, was in Zahlen etwa 715.000 älteren Menschen entspricht. Dabei zeigt sich ein klarer Unterschied zwischen Hochqualifizierten und Geringqualifizierten – bei den über 60-Jährigen mit einer höheren Bildung liegt die Erwerbstätigenquote bei beeindruckenden 76 %, während gering qualifizierte Senioren nur auf 53 % kommen.
Christine Sprenger (62), die bald in den Ruhestand geht, äußert, dass sie mit ihren 1.400 Euro netto eine finanziell eingeschränkte Zukunft sieht. Franz Josef, ein Rentner mit einer Rente von 1.900 Euro, kritisiert die Forderung nach mehr Arbeit für Senioren als unangemessen. Solche Stimmen zeigen, dass die Ansichten über die Erwerbstätigkeit im Rentenalter alles andere als einheitlich sind und individuelle Lebenslagen oft schwer zu vergleichen sind berichtet Nordkurier.
Die Diskussion über die Rolle von Rentnern in der Arbeitswelt bleibt spannend. Ein Umdenken könnte nötig sein, um den Bedürfnissen einer älter werdenden Gesellschaft gerecht zu werden und gleichzeitig die Sorgen um Altersarmut zu minimieren.